Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Verkörperte Muße

Logo https://genderingmint.pageflow.io/verkorperte-musse

Intro

Zum Anfang




»Denken heißt, im Unendlichen spazierengehen.«
       Jean Baptiste Henri Lacordaire





Zum Anfang

Vollbild
Im Mittelpunkt der Tagung stehen interdisziplinäre Perspektiven auf die Körperlichkeit von Muße. Wir laden ein zu einer entdeckungsreichen wissenschaftlichen Flanerie, um den dynamischen Prozessen im Wechselverhältnis von Körper und Geist, Selbst, Anderen und Umwelt auf die Spur zu kommen. Denn zweifelsohne hängen Erlebnisse von Muße stark mit leiblichen Empfindungen, Körper-Konzepten und körperlicher Erfahrung zusammen. Manche Körperpraktiken gelten als mußeaffin, andere als mußehinderlich. Erstaunlich häufig wird Muße jedoch ohne weiteren Bezug auf den Körper beschrieben: Gedanken schweifen, die Aufmerksamkeit verändert sich, Erkenntnis wird möglich.            

Um der Relevanz des Körperlichen bzw. Leiblichen für die Muße im Rahmen der Tagung nachzugehen, fokussieren wir Leib-Seele-Debatten, Embodiment-Theorien, methodisch-theoretische Ansätze zur Performativität sowie ästhetische Inszenierungen von Körperlichkeit als Themenfelder. Diese finden in den einzelnen Sektionen eine Entsprechung. Die Diskussionen und Vorträge stecken ein weites Feld ab – sowohl was die fokussierten Epochen und Gegenstände als auch die methodischen, theoretischen und disziplinären Zugänge betrifft. Sie eröffnen so eine Bandbreite an übergreifenden Fragestellungen.      

Ein Ausgangspunkt kann dabei die Frage nach den gesellschaftlichen Rahmungen von Körper-Praktiken der Muße sein: Welche körperbezogenen Verständnisse von Muße lassen sich in verschiedenen Milieus, Kulturen, gesellschaftlichen Gruppen und sozialen Situationen finden? Welche Rolle spielen dabei Disziplinierungsregime und Machtdiskurse? Stärker auf die individuelle Ebene sowie normative Dimensionen bezogen, ließe sich fragen: Inwiefern kann man Muße als Praktik der Selbstfürsorge beschreiben, die sich am Wohlbefinden bemisst und entscheidend zu einem genussvollen und gelingenden Leben beiträgt, das Glück verspricht? Geht Muße einher mit dem, was durch Angebote des Waldbadens, ,Mind Body Walk‘, durch Meditationspraktiken oder ,Slow Sex‘ den Sehnsüchten überarbeiteter Menschen, von Leistungsdruck Ausgezehrten sowie den an Reizen und Verpflichtungen Übersättigten entgegenkommt? Lassen sich mußeaffine bzw. mußehinderliche Körpertechnologien beschreiben und in welchem Verhältnis stehen sie zu Praktiken der Selbstregulation? Und schließlich auf aktuelle Debatten bezogen: Welche Rolle spielen Digitalisierungsprozesse für unser zeitgenössisches Verständnis von Körper und Muße? Inwieweit entfaltet es sich im Spannungsfeld von omnipräsenten Körperinszenierungen und eigener leiblicher Wahrnehmung?            

Reflexionen über diese und weitere Fragen versprechen wir uns vom interdisziplinären Austausch, dessen Voraussetzungen, Potenziale und Grenzen zugleich kritisch hinterfragt werden sollen. Dementsprechend ist die Tagung so konzipiert, dass in Kommentaren und unterschiedlichen Diskussionsformaten die verbindenden Momente zwischen den Vorträgen, Disziplinen und Themen herausgearbeitet wie auch die diesbezüglichen Differenzen benannt und erörtert werden können.

Das Tagungsgeschehen wird gerahmt durch ein kulturelles Begleitprogramm: Ein Konzert, ein Filmabend, performative Einheiten und zwei Installationen zum Thema ,Muße‘ vertiefen das Tagungsthema in vielfältigen Formaten.

Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Tagung teilzunehmen und zu den dialogischen Formaten beizutragen.
Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung über die Website des SFB 1015 Muße bis zum 1. Oktober 2019
(www.sfb1015.uni-freiburg.de).         


Die Organisatorinnen und Organisatoren                              
Schließen
Zum Anfang

13⎜10

Schließen

Peterhof
Niemensstraße 10
79098 Freiburg

Konzert
19.30 Uhr
mit Sven Helbig
I Eat the Sun
and drink the Rain

Vortrag
von Stefan Lorenz Sorgner
Wahrhaftige Achtsamkeit und
das nicht-totalitäre Gesamtkunstwerk


Foto: © Sven Helbig


Zum Anfang

Vollbild
I Eat the Sun and Drink the Rain ist ein Werk für Chor und Live Electronics. In den zehn Episoden hat Sven Helbig eine lose Narration arrangiert, die sich mit drängenden Fragen der Gegenwart beschäftigt. In dem klanggewaltigen Werk treffen zarte Chorflächen auf pulsierende Synthesizer. Helbigs Kompositionen thematisieren die menschliche Seele als Teil der Natur. Er schickt seine Zuhörenden auf eine poetische Reise auf der Suche nach dem Menschlichen in einer hochtechnisierten Welt. Ohne ins Verkünden zu verfallen, wirft er folgende Fragen auf: Wo bleibt der Mensch in der Welt künstlicher Intelligenz? Was passiert mit sozialen Beziehungen in Zeiten digitaler Entfremdung? Wie sollen wir leben, wenn wir unsere Welt ausbeuten und selbst zerstören?

Sven Helbig ist ein deutscher Komponist für Orchester-, Chor- und Kammermusik. In seinem Werk verbindet er elektronische Musik mit klassischen Instrumenten und Chören. 1996 war er Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker, seit 2004 arbeitet er kontinuierlich mit den Pet Shop Boys zusammen und seit 2016 spielt er mit seinem Forrklang Quartett. 2017 gastierte I Eat the Sun and Drink the Rain unter anderem im Barbican Center (London), in der Elbphilharmonie (Hamburg), dem Alexandrinsky Theater (Sankt Petersburg) und in der Reina Sofia Hall (Madrid). Helbigs Arbeiten stehen in der Tradition des Gesamtkunstwerks. Oft zeichnet er für Inhalt, Musik und Inszenierung gleichermaßen verantwortlich.



Schließen
Zum Anfang

Stefan Lorenz Sorgner
Stefan Lorenz Sorgner
Vollbild
Im beständigen Austausch mit dem Ideal des antiken Dramas haben insbesondere Denker, Künstler und Komponisten der deutschen und italienischen Kultur immer wieder neue Reformvorschläge zur Oper unterbreitet, in deren Rahmen die Förderung der dramatischen Einheit eine zentrale Rolle spielte. Insbesondere die Erfindung der Oper durch Mitglieder der Camerata Fiorentina und die Konzeptualisierung des Gesamtkunstwerks durch Wagner haben hierbei eine zentrale Rolle gespielt. Aus heutiger Sicht stellen deren Vorschläge gefährliche Plädoyers dar, da durch sie für totalitäre Strukturen geworben wird. Liegt dieser Umstand in der grundsätzlichen Struktur von Gesamtkunstwerken begründet? Diese Überlegung ist zumindest naheliegend. Bei der Skizzierung zentraler Überlegungen zu Sven Helbigs gegenwärtigen Gesamtkunstwerken wird deutlich, dass nicht-totalitäre Gesamtkunstwerke möglich sind. Mit seiner Verwindung des Gesamtkunstwerk-Konzeptes geht ein neuer, schwacher Weltbezug einher. Diese Schwäche ist seine Stärke. Hier wird ein Entwurf vorgeschlagen, bei der Menschen sich nicht mehr kategorial, sondern nur noch graduell von allen anderen Entitäten unterscheiden. Der Mensch ist eingebettet in Prozesse des beständigen Werdens, die im Rahmen der künstlerischen Metaformanz erfahren werden können. Intellektuelle Betrachtung und lebensweltliches Eingebettet-Seins wechseln sich ab. Hierbei handelt es sich um otium, Muße. Wir werden emotional und intellektuell mit grundlegenden menschlichen Herausforderungen konfrontiert. Ein nicht-dualistischer Weltbezug verändert unser In-der-Welt-Sein. Eine Metaformanz von Helbigs Musik kann so als Achtsamkeits-Meditation verstanden werden. Was wir essen, womit wir uns kleiden und wo wir leben, werden die entscheidenden philosophischen Anliegen. Ein kultureller Perspektivenwechsel wird auf diese Weise vorgeschlagen.

Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner ist Philosophieprofessor an der John Cabot University in Rom, Direktor und Mitbegründer des Beyond Humanism Network, Visiting Fellow am Ethikzentrum der FSU Jena, Research Fellow am Ewha Institute for the Humanities der Ewha Womans Universität in Seoul und Fellow am Institute for Ethics and Emerging Technologies. Außerdem ist er Editor-in-Chief und Founding Editor des Journal of Posthuman Studies und gilt als einer der weltweit führenden Philosophen des Post- und Transhumanismus. Er ist Autor und Herausgeber von mehr als zehn Büchern, unter anderem Metaphysics without Truth (Marquette University Press 2007), Menschenwürde nach Nietzsche (WBG 2010), Transhumanismus (Herder 2016), Schöner neuer Mensch (Nicolai 2018) und Übermensch"(2019 Schwabe). Er ist ein international gefragter Vortragender (World Humanities Forum; TEDx, Global Solutions) und ein regelmäßiger Ansprechpartner nationaler sowie internationaler Medien (Die Zeit, Cicero, Die Presse am Sonntag). Weitere Informationen: http://www.sorgner.de/


Foto: © Stefan Lorenz Sorgner
Stefan Lorenz Sorgner
Stefan Lorenz Sorgner
Schließen
Zum Anfang

14⎜10

Vollbild
Universitätsbibliothek, Veranstaltungsraum 1. OG
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg


Begrüßung
09.30–09.45 Uhr

Prof. Prof h.c. Dr. Dr. h.c. Elisabeth Cheauré ⎜Sprecherin des SFB 1025  Muße. Praktiken, Raumzeitlichkeit, Grenzen und
Prof. Dr. Ralf von den Hoff ⎜Sprecher des SFB 948 Helden– Heroisierungen–Heroismen


Einführung
09.45–11.15 Uhr

›I eat the Sun and drink the Rain‹ –
Dr. Marion Mangelsdorf

›I eat the Sun and drink the rain‹ lautet der Titel einer zeitgenössischen Komposition von Sven Helbig. – Stellt sich Muße ein, wenn jede Pore der Haut von Sonnenstrahlen gespeist oder der Regen langsam über die Stirn in den Mund rinnt? Zweifelsohne beruht Muße auf körperlichen Erfahrungen und leiblichen Empfindungen, bei denen die Sinneswahrnehmung eine entscheidende Rolle spielt. Doch wie lässt sich das Verhältnis von Körper und Geist, Leib und Seele denken, wenn wir über Muße nachsinnen? Ausgehend von dem durch den musikalischen Tagungsauftakt inspirierten Motiv lotet Marion Mangelsdorf den Spannungsbogen und die Facetten aus, die im interdisziplinären Austausch der Beiträge und der unterschiedlichen Formate zu erwarten sind. Dabei greift sie Gedanken auf, die Judith Butler angesichts Sasha Waltz’ Tanzstück Körper erörtert hat. Butler reflektiert darüber, dass wir – zumal in westlich-akademischen Kulturen – gewohnt seien, den Körper oder vielmehr die Körpersprache der verbalen, durch Begriffe und Bezeichnungen geprägten Kommunikation unterzuordnen. Somit erschiene das Sprechen als eine Bewegung des Körpers, das vorgibt keine Bewegung zu sein. Wie, fragt die Philosophin und Genderforscherin, ist es aber möglich, das Sprechen als eine Bewegung des Körpers zu verstehen? In Anlehnung an Butler lässt sich fragen: Wie können wir so sprechen, dass wir uns dem Gegenstand der Muße und im fächerübergreifenden Dialog aufeinander zubewegen? Wie und von was sprechen wir, wenn wir uns über Muße verständigen?

 
Perspektiven interdisziplinärer Forschung zu Körper
Podiumsgespräch mit Prof. Prof h.c. Dr. Dr. h.c. Elisabeth Cheauré (Moderation), Prof. Dr. Monique Scheer, Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Dr. Marc Wittmann 

Menschen sind leiblich in der Welt, und unser Empfinden, Fühlen und Denken hat keinen Ort außerhalb des Körpers. Entsprechend lassen sich auch Gesellschaft und Kultur nur verstehen, wenn wir ihre körperliche Dimension mit einbeziehen. Doch was heißt das genau? Wie gehen unterschiedliche Disziplinen mit dem Körper um, welches Wissen über den Körper und über das Verhältnis von Körper und Gesellschaft produzieren sie? Mit welchen Methoden untersuchen sie die Körperlichkeit des Menschen und die körperliche Dimension von Kultur und Gesellschaft jeweils? Wie können schließlich die verschiedenen Disziplinen mit ihren jeweiligen Methoden, Körperverständnissen und Menschenbildern zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit kommen? In dieser Podiumsdiskussion kommen Vertreter*innen unterschiedlicher Disziplinen ins Gespräch, die alle große Erfahrung in interdisziplinärer Forschung haben. Das Gespräch soll vor den empirischen, mußebezogenen Beispielen der Tagung grundsätzliche Fragen der Forschung zum Körper ansprechen, eventuell existierende Bruchlinien aufzeigen und es damit ermöglichen, die interdisziplinären Diskussionen der Tagung bewusster und offener zu führen.


Kaffeepause

11.15–11.45 Uhr

 
Panel: Muße, Körper, Kunst, Performance
11.45–13.15 Uhr

Fiona Hesse, M.A.
MIND BODY WALK. Transgressionserfahrungen von Muße in der Kunst der Gegenwart am Beispiel von Hamish Fulton

Kann Gehen im Kontext der Kunst Erfahrungen von Muße generieren? Und wenn ja, auf welche Art und Weise? Der britische Walking Artist Hamish Fulton unternimmt seit bald 50 Jahren Wanderungen von körperlich teils äußerst herausfordernden Entfernungen, Geschwindigkeiten oder Dauer. Sowohl aufseiten des Künstlers als auch aufseiten der Teilnehmenden seiner Public Walks können dabei Erfahrungen von Muße mit durchaus transgressivem Charakter gemacht werden. Anhand von Bild- und performativen Beispielen soll über diese Aspekte hinaus diskutiert werden, mit welchen wissenschaftlichen Methoden die dabei generierten Erfahrungswerte für die Analyse partizipatorischer Kunstwerke fruchtbar und verwertbar gemacht werden können.


Wilma Scheschonk, M.A.
Mußepraxis und Künstlerkörper. Bruce Naumans Dance or Exercise on the Perimeter of a Square (1967-68)

Wilma Scheschonks Vortrag fragt entlang von beispielhaften Positionen danach, wie das heroische Künstlerideal erschöpfungslosen Schaffens durch körperliche Übungen erreichbarer sowie erfahrbar und anschaulich gemacht wurde. Ausgangspunkt ist dabei Bruce Naumans Performance Dance or Exercise on the Perimeter of a Square. Zwischen produktiver Wiederholung von Bewegung, Formwillen, stagnierender Routine und schließlich der Widerfahrnis degenerativer Überlastung ist die Performance auch eine Ausdauerübung, welche die Leistungsgrenzen des Künstlers heroisch transzendiert. Dabei setzt sich das titelgebende Bewegungsprogramm in einer Resonanzbeziehung als die eigene Bereitschaft des Körpers fort, Kräfte zu aktivieren, um den Rhythmus teils willentlich und teils unwillkürlich aufrechtzuerhalten.


Sabine Gabriel, M.A.
Muße als erlebte Realität von Balletttanzenden im Spannungsfeld von mentalen Zuständen und leiblicher Körperlichkeit

Muße ist Teil der täglichen Erfahrungswelt Balletttanzender. Der Tagungsbeitrag hat die Absicht, sich dem Phänomen ,Muße‘ in einem Zweischritt zu nähern. Einerseits ist unter der method(olog)ischen Fragestellung, wie Muße-Phänomene in den Erzählungen und Eigentheorien Balletttanzender auftreten können, die Möglichkeit zu diskutieren, wie solche Erlebnisse sprachfähig werden und welche Implikationen für die Untersuchbarkeit damit einhergehen. Andererseits soll die Schnittstelle des Erlebens und Deutens anhand von Interviewdarstellungen verschiedener Erfahrungsräume mit Blick auf das wechselseitige Konstitutionsverhältnis mentaler Zustände, leiblicher Körperlichkeit und mußefreundlicher Bedingungskonstellation inhaltlich beleuchtet werden.
 

Kommentar & Diskussion
René Waßmer, M.A.

Mittagspause (nur für Referierende)
13.15–14.30 Uhr


Podiumsdiskussion: Leib, Seele, Transzendenz
14.30–16.00 Uhr 

Prof. Dr. Gregor Dobler (Moderation)
und mit Kurzimplusen von

Yannick van den Berg, M.A.
Plötzliches Erkennen. Nicht: wie geht es,
sondern: Wie geht es mir?

Der Beitrag möchte zwei wesentliche Momente in Bezug auf die Möglichkeiten eines körperlichen Zuganges zur Untersuchung von Muße vorstellen und anhand des empirischen Beispiels einer charismatischen Gemeinde im Norden Namibias, in der die Geistbesessenheit eine große Rolle spielt, darstellen: Zum einen ist dies das (Sich-)Öffnen gegenüber ‚äußeren‘ Einflüssen und Gegebenheiten, zum anderen das Loslassen des Eigenen und die Akzeptanz des sehr körperlich verfassten Geschehens – der Moment des Sich-Überlassens und später dann des Sich-Wiederfindens. Der Vortrag basiert auf einer insgesamt einjährigen Feldforschung in der o.g. Region.


Prof. DDr. Thomas Böhm
Muße mit und ohne Körper

Die These lautet: Je nachdem, wie in der Spätantike Gott mit oder ohne Körper konzeptionell gefasst wird, ermöglicht sich Muße intellegibel oder körperlich. Als Gemeinplatz kann gelten, dass in der platonischen oder platonisierenden Tradition, die vorrangig im Christentum rezipiert ist, das Prinzip von allem oder das Göttliche als es selbst und in sich selbst als unkörperlich aufgefasst wird, sofern es als Bewegungsprinzip (Seele) alles von ihm Verschiedene ursächlich bewegt, selbst aber nicht bewegt werden kann (Platon, Aristoteles). Die Ursache hierfür ist, so die weiterführende These, darin zu suchen, dass das Lehrgedicht des Vorsokratikers Parmenides zumindest seit Aristoteles prinzipientheoretisch gedeutet wurde. Mit der abschließenden These wird diskutiert, inwiefern Körper und Performanz Eingang ins Christentum finden und im Gefolge davon die Muße.


Dr. Olmo Gölz
Die Einstellung zum Tod – Zum karthatischen Aspekt des Martyriums im schiitischen Islam

Der Vortrag möchte im historischen Rahmen des Iran-Irak-Krieges die Bedeutung der Einstellung für die Heroisierung gefallener Kämpfer ermitteln. Es erscheint ein Bedürfnis der Gemeinschaft ermittelbar, sich auf die Suche nach sichtbaren Zeichen für die theologisch geforderte Einstellung zum Tod zu begeben. So werden Erzählungen der angeblichen letzten Worte, Blicke oder Gesten vor dem Martyrium zum Idealbild des jungen unschuldigen Mannes zusammengefügt. Der Vortrag wird sich der Medialisierung des kathartischen Momentes widmen und so die entsprechenden theologischen und soziologischen Implikationen und Voraussetzung für die Verehrung darstellen. Letztlich soll so ein Leib-Seele-Verhältnis im Kontext von Heroisierungsdynamiken diskutiert werden, das auf mögliche Schnittstellen zwischen diesen Dynamiken und Muße- Vorstellungen verweisen kann.


Dr. Andreas Henn
Askese und Leiblichkeit im Liber Graduum

Das Liber Graduum ist eine Sammlung von 30 memre (Diskussionen) eines anonymen (ost-)syrischen Autors, die das Leben einer christlichen asketischen Gemeinschaft reflektiert. Aufgrund einer semitisch geprägten Anthropologie, die im Vergleich mit den dualistischen Zügen hellenistischer Vorstellungen den Menschen mehr als leib-seelische Ganzheit mit dem Herzen als Personenmitte auffasst, unterscheidet sich diese exemplarische syrische Askese-Konzeption in interessanter Weise von etwa der der griechischen Väter. Vor diesem Hintergrund liefert das Liber Graduum ein bemerkenswertes historisches Beispiel für den Zusammenhang von Muße und Körper, mit zahlreichen Ansatzpunkten für konzeptuelle Überlegungen im Hinblick auf die Theoriebildung.


Kaffeepause
16.00–16.30 Uhr

Kommentar
16.30–17.00 Uhr
Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs


Foto: © Simon Schwab
Schließen
Zum Anfang

Vollbild
In den platonischen Dialogen, den wesentlichen Grundtexten abendländischer Philosophie, ist die Muße,
die das Gespräch ermöglicht und rahmt, ganz zentral.
Der wohl berühmteste Dialog etwa, das Gastmahl,
schildert eine Situation geselliger Muße,
in der leidenschaftlich über den Eros nachgedacht wird.
In der Wiedergabe eines fiktiven Gesprächs mit der Seherin Diotima entwickelt Sokrates eine Vorstellung des Eros als Triebkraft hinter allem Verlangen nach dem Schönen, Guten, Wahren. Damit liegt er dem körperlichen Verlangen ebenso zugrunde wie dem philosophischen Fragen und Suchen.
Das Gastmahl knüpft an diese Reflexionen an, transferiert diese mit internationalen Speisen,
einer Lesung, Performance sowie weiteren intellektuellen Appetithäppchen ins Hier und Jetzt.
– Wie lässt sich Muße im 21. Jahrhundert verkörpern?
Wie als gemeinschaftliches Erlebnis erfahrbar machen?






Schließen
Zum Anfang

15⎜10

Vollbild
Universitätsbibliothek, Veranstaltungsraum 1. OG
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg


Begrüßung
10.15–10.30 Uhr
Dr. Marion Mangelsdorf
 
Panel: Muße, Achtsamkeit und Selbstregulation
10.30–13.00 Uhr

Dr. des. Aurelia Ehrensperger
»Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem«.
Phänomenographische Überlegungen zur Achtsamkeitspraxis
 
Im Beitrag entwickelt Aurelia Ehrensperger eine phänomenographische Perspektive auf eine Atemmeditation in einem MBSR-Kurs. Anhand ethnographischer Zeugnisse wird deutlich, wie Praktizierende eine sensiblere Wahrnehmung für körperliche Prozesse entwickeln und einen sprachlichen Zugang zu wenig verbalisierten körperlichen Wahrnehmungen – etwa dem Ein- und Ausatmen – entwickeln können. Der kulturwissenschaftliche Zugang ermöglicht es, die Achtsamkeitspraktik in ihrer körperlichen wie auch geistigen Erfahrung zu erkunden und gesellschaftlich einzuordnen. Dabei liegt der Gewinn, so die These, gerade im empirisch umgesetzten, phänomenologisch orientierten Körperverständnis, welches die Rolle des Körpers konsequent akzentuiert.


Prof. Dr. Stefan Schmidt
»Laying down the path in walking« – Welterschließung, Verkörperung und Selbstregulation

In den Kognitionswissenschaften haben klassische Repräsentationsmodelle Konkurrenz durch verschiedene Modelle der Situierten Kognition erhalten. Diese konzipieren kognitive Prozesse in einem sogenannten 4E-Paradigma mit den Schlagworten enactive, embedded, embodied und extended. Basierend auf dieser Konzeption entstehen kognitive Strukturen in der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt via sensormotorische Koppelungen. Handeln und Erkennen sind untrennbar miteinander verbunden. Der Körper wird zum zentralen Moment einer aktiven Welterschließung, die über die eigenen Körpergrenzen hinausgeht und in die auch Artefakte integriert werden. Eine Analyse der Achtsamkeitspraxis aus Sicht der Situierten Kognition zeigt die zentrale Rolle von Körperlichkeit und Verkörperung für Selbstregulations- und Mußepraktiken. *Varela (1987)


Prof. Dr. Dr. Jürgen Bengel, Dr. Mauela Glattacker, Gloria Metzner, M.Sc., und Lisa Müller, M.Sc.
Muße in Krankheitszeiten. Welche Rolle spielt Muße bei der Selbstregulation chronischer Krankheiten im Alltag?

Selbstregulation spielt im Krankheitskontext eine zentrale Rolle. Insbesondere bei chronischen Krankheiten, bei denen häufig der lebenslange Umgang mit der Krankheit im Mittelpunkt steht, benötigen die Erkrankten Kompetenzen, die sie dazu befähigen, möglichst selbstbestimmt mit der Erkrankung umzugehen. Der Beitrag diskutiert die Frage, inwiefern ein Theoriemodell zur Selbstregulation im Krankheitskontext nutzbar gemacht werden kann, um Muße im Prozess der Selbstregulation im Krankheitskontext theoretisch zu verorten. So kann z. B. exploriert werden, ob Muße(-Praktiken) ein expliziter Bestandteil der Krankheitsbewältigung sind oder Muße eher das Ergebnis der Krankheitsbewältigung darstellt und wie Muße körperlich wahrgenommen und erfahren wird.

 
Kaffeepause 
11.30–12.00 Uhr

Kommentar & Diskussion
René Waßmer

Mittagspause (nur für Referierende)
13.00–14.30 Uhr


Panel: Muße und Embodiment
14.30–15.30 Uhr

Dominique Zimmermann, Lic. Phil.
Slowsex als Gegenbewegung zum Leistungssex

In unserer Gesellschaft sind immer mehr Bereiche vom Leistungs- und Optimierungsdenken geprägt: auch das Sexualleben. Zugleich provoziert diese Entwicklung zunehmend das Entstehen von alternativen Vorstellungen und Praktiken – so etwa „Slowsex“, der sich als Gegenbewegung zum pornographischen Leistungssex versteht und den heilsamen Aspekt einer gezielten Verlangsamung sowie eines bewussten Erlebens von Sexualität betont. Dominique Zimmermann geht in ihrem Vortrag der Frage nach, wie Sex und Bewusstsein überhaupt miteinander verknüpft sind und ob Muße zwangsläufig mit Langsamkeit und Bewusstsein einhergehen muss oder ob auch andere Zugänge für Muße in Bezug auf Sex denkbar wären.


Prof. Dr. Markus Tauschek & Inga Wilke, M.A.
Den Körper (wieder) spüren. Muße als Möglichkeit

Gegenwärtige Achtsamkeits- und Entschleunigungsseminare vermitteln Körpertechniken wie Meditationen, Bodyscan, Atemübungen etc. Der Körper wird dabei – so die These des Vortrags – zum Instrument für Muße-Erfahrungen gemacht. Wie geben die Anbietenden ›Muße-Wissen‹ durch den Körper und für den Körper weiter und wie übersetzen die Teilnehmenden dies in eigene reflexivierte Deutungen und körperliches Handeln? Der Beitrag diskutiert die Verbindungen von Körper, Lernen und Muße, die dabei verhandelten und verkörperlichten Wissensbestände sowie die hier als relevant markierten Körperpraktiken. Zudem fragen die Referent*innen auch nach methodischen Herausforderungen in der ethnographischen Erforschung lebensweltlicher Körperkonzepte, mitunter habitualisierten Körperwissens und konkreter Körperpraktiken.


Kaffeepause
15.30–16.00 Uhr

Kommentar
16.00–17.00 Uhr
Prof. Dr. Joachim Bauer


Foto: © absolut Medien
Schließen
Zum Anfang

Vollbild
»Die Epoche der Hast hat aber keine Zeit, die Wahrnehmung zu vertiefen. Allein in der Tiefe des Seins tut sich ein Raum auf, wo alle Dinge sich anschmiegen und miteinander kommunizieren. Gerade diese Freundschaft des Seins lässt die Welt duften.«                                        
                                 Byung-Chul Han 2015, Duft der Zeit


Der Dokumentarfilm Müdigkeitsgesellschaft befasst sich mit der Gegenwartsdiagnose des Philosophen und Publizisten Byung-Chul Han. Bereits 2010 hatte dieser mit dem gleichnamigen Essay einen wirkmächtigen Beitrag zur Debatte über zeitgenössische Leistungsgesellschaften und die Frage nach einem gelingenden Leben geleistet. Was kann ein Korrektiv, wenn nicht gar eine Möglichkeit der Überwindung einer auf freiwilliger Selbstausbeutung basierenden Kultur sein? Han antwortet auf diese Frage mit dem Versuch, die im kulturkritischen Diskurs der (Spät-)Moderne oftmals schlecht beleumundete vita activa zu rehabilitieren. Nicht nur ein kontem- platives, sondern auch ein aktives Leben ermögliche es, so Han, im Medium der Muße neue Weltbezüge zu etablieren. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Film der Künstlerin Isabella Gresser verfolgt die philosophischen Suchbewegungen Hans, transformiert sie in eine ganz eigene Bildsprache und entwirft dabei ein abwechslungsreiches intellektuelles Portrait.

Im an den Film anschließenden Podiumsgespräch diskutieren Prof. Dr. Ulrich Bröckling, Dr. Jochen Gimmel, Dr. Maud Hietzge und Dr. Marion Mangelsdorf über die Gegenwartsdiagnose Hans, ihre Reflexion im Film sowie ihre Bezüge zur Muße. Welche Voraussetzungen liegen seinen Thesen zugrunde? Wie weit reicht das Potenzial einer auf Fragen der Lebensführung bezogenen Gesellschaftskritik? Inwiefern gelingt es dem Film, Hans Denkbewegungen ästhetisch nachvollziehbar zu machen? Handelt es sich gar um eine mußeaffine filmische Erzählweise? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Diskussion.





Kommunales Kino Freiburg e.V.
Urachstr. 40
79102 Freiburg


Die Müdigkeitsgesellschaft –
Bung-Chul Han in Seoul / Berlin

(61 Min., D 2015, Regie: Isabella Gresser,
Verleih: absolut MEDIEN)

Eintrittskarten sind an der Abendkasse des Kommunalen Kinos erhältlich (5 € ermäßigt, 7 € regulär)
Weitere Infos: www.koki-freiburg.de

Nach vorheriger Anmeldung bis 1. Oktober 2019 freier Eintritt für Referent*innen sowie für Wissenschaftler*innen des SFB 1015 Muße und
des SFB 948 Helden.            

Anmeldung unter: www.sfb1015.uni-freiburg.de            

Eine Veranstaltung des SFB 1015 Muße in Kooperation mit dem Kommunalen Kino Freiburg e.V.                              

Trailer: Müdigkeitsgesellschaft absolut Medien                             
Schließen
Zum Anfang

16⎜10

Vollbild
Universitätsbibliothek, Veranstaltungsraum 1. OG
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg


Begrüßung
09.00–09.45 Uhr
Dr. Marion Mangelsdorf
 
Panel: Körper-Inszenierungen
10.30–13.00 Uhr

Prof. Prof. h.c. Dr. Dr. h.c. Elisabeth Cheauré
Schreiben im Bewusstsein des verfallenden Körpers. Muße in den Tagebüchern der Marie Bashkirtseff/ Marija Baškirceva (1858/60 – 1884)

Die aus dem Süden des Zarenreiches stammende Marija Baškirceva galt zum Zeitpunkt ihres frühen Todes in Paris als talentierte Malerin. Es waren jedoch weniger ihre bildnerischen Werke als vielmehr ihr geradezu exzessiv geführtes Tagebuch, das der Künstlerin nach ihrem Tod einen Kultstatus einbrachte: Baškirceva wurde häufig als Inbegriff einer modernen, nihilistisch-egozentrischen Persönlichkeit stilisiert, die sich dem traditionellen Frauentypus des 19. Jahrhunderts zu widersetzen schien. In Baškircevas Tagebüchern spielt die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper eine große Rolle. Dies ist umso bemerkenswerter, als es sich hier um eine kranke, verfallende junge Frau handelt, die – so Cheaurés These – in der „mußevollen“ Erkundung des eigenen Körpers die Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod sowohl verdrängt wie auch bewältigt.


Moritz Plewa, M.A.
Sportive Muße? Eine praxistheoretische Perspektive auf (spät-) moderne Bewegungskulturen

Entgegen der Annahme, dass der moderne Sport, analog zur modernen effizienzorientierten Arbeits- und Betriebswirtschaft, ebenfalls durch Prozesse der Professionalisierung, Rationalisierung und Verwissenschaftlichung geprägt sei und dementsprechend keinen Raum für Muße zulassen würde, argumentiert Plewa mit Rückgriff auf die Arbeiten Johan Huizingas, Robert Musils und Georges Batailles, dass der modernen Sportkultur von Anfang an ein dezidiert anti-utilitaristisches Moment sowie ein ‚ästhetischer Überschuss‘ inhärent gewesen sei. In seinem Vortrag plädiert Plewa für einen praxistheoretischen Zugriff auf Phänomene der Muße, welcher es ermöglicht, den Begriff der Muße von seiner Bindung an bürgerliche Praktiken der Kontemplation und Vorstellungen von subjektiver Innerlichkeit und deren autonomer Selbstentfaltung formal zu entkoppeln.


Dr. Regina Lösel
Kleider machen Muße

Wenn über den Zusammenhang von Körper und Muße nachgedacht wird, gehört die Kleidung untrennbar dazu. Erfahrungen von Muße werden überwiegend im bekleideten Körper gemacht, sei es das schlendernde Gehen, das Sitzen in einem Sessel oder die morgendliche Atemübung. Kleidung kann dabei bestimmte Körperhaltungen ermöglichen oder verhindern. Regina Lösel untersucht in ihrem Vortrag den Zusammenhang zwischen Bekleidung und den Bedingungen, Herstellungsweisen und Inszenierungen von körperlichen Muße-Erfahrungen, indem sie reale textile Objekte aus unterschiedlichen Epochen (Gegenwart, 1920er-Jahre und Ende des 19. Jahrhunderts) anhand ihres Stoffes, des Schnittes und der Verar- beitung vergleicht. Darüber hinaus sollen Gemälde, Fotos und Zeichnungen präsentiert werden, welche den Körper in Muße darstellen und Kontexte dieser Erfahrung aufzeigen.


Kommentar & Diskussion
Jutta Krauß


Imbiss (im Veranstaltungsraum)
11.15–12.15 Uhr

Schlussdiskussion /-input
12.15–13.15 Uhr

Moderation: Prof. Dr. Gregor Dobler
Input durch Dr. Georg Feitscher, Johannes Fendel, M.Sc., Dr. Andreas Kirchner, Lisa Müller, M.Sc., und Melina Munz, M.A.

Mitarbeitende des SFB 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen sowie des SFB 1015 Muße skizzieren auf der Grundlage ihrer Gesamteindrücke der Tagung sowie aus ihrer jeweiligen disziplinären Perspektive zusammenfassende Beobachtungen sowie weiterführende Thesen und Fragestellungen. Diese können gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung erörtert sowie auf die für beide Sonderforschungsbereiche relevante Themen (siehe nächste Seite) hin fokussiert werden. Auf diese Weise sollen weitere Impulse für die abschließende Diskussion gegeben werden.



Foto: © Claudia Bettinaglio
Schließen
Zum Anfang

HeldInnen der Muße?

Vollbild
Lässt sich von Heldinnen und Helden der Muße sprechen und folgten sie dem Vorbild Oblomows, Buddhas, Aristoteles oder Greta Thunbergs?

In Anlehnung an Bung-Chul Han wären es diejenigen, die sich der (Selbst-)Ausbeutung verweigerten. Mit Thomas Fuchs et al. gesprochen wären es diejenigen, die sich gegenüber der Diagnose eines „überforderten Selbst“ zu behaupten wüssten, und in Rekurs auf Ulrich Bröckling gelänge es den Heldinnen und Helden der Muße, den Fallstricken des „unternehmerischen Selbst“ zu entkommen. Dabei bezweifelt der Soziologe, dass dem Leit- und zugleich Schreckensbild unserer Gegenwart, sich in allen Lebenslagen kreativ, flexibel, eigenverantwortlich und risikobewußt zu verhalten, durch Achtsamkeits- und Meditationspraxen, Waldbaden oder eine Spa-Kur begegnet werden könne. Muße, lässt sie sich einüben? Oder ist sie nicht vielmehr eine jedweder Kontrolle und Zweckbestimmung enthobene Seinserfahrung?

Im Kontext der Tagung fragen wir, ob mit Muße-Behauptungen so etwas wie Selbstheroisierungsprozesse in Gang gesetzt werden. Setzt der Verweis darauf, Momente der inneren Einkehr, der Selbstfürsorge oder des intensiven Gesprächs erlebt zu haben, die Unterstellung eines erfolgreich und bewusst herbeigeführten transgressiven Aktes voraus? Eines Aktes, der auf eine verdichtete agency derjenigen verweist, die zumindest retrospektiv gelungende Momente des Zu-Sich-Selbst-Kommens mit Muße bezeichnen würden und so theoretische Schnittstellen zu Heroisierungen offenbaren? Diesen und weiteren Fragen widmen wir uns im Laufe der Tagung im Dialog des SFB 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen mit dem SFB 1015 Muße mit Blick auf die Gegenwart ebenso wie hinsichtlich der (antiken) Vergangenheit, im interkulturellen Vergleich und in Auseinandersetzung mit Kunstschaffenden.
Schließen
Zum Anfang

Beitragende

Vollbild
Bauer, Joachim, Prof. Dr.
Prof. Dr. Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Autor von Sachbüchern; für neurowissenschaftliche Arbeiten Auszeichnung mit dem Organon-Preis der Dt. Gesellsch. für Biol. Psychiatrie; 2013–2016 Gründungs-Mitglied des SFB 1015 Muße (gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Schmidt Leiter des Teilprojekts A4 Muße im schulischen Kontext: Förderung von Muße, Kreativität und seelischer Gesundheit durch eine achtsamkeitsbasierte Intervention); Joachim Bauer lebt, lehrt und forscht jetzt in Berlin; im Mai 2019 erschien sein neuestes Buch Wie wir werden wer wir sind – Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz.

Bengel, Jürgen, Prof. Dr. Dr.
Prof. Dr. Dr. Jürgen Bengel ist seit 1994 Direktor der Abteilung für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie des Instituts für Psychologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Leiter der psychotherapeutischen Ambulanz sowie des Ausbildungsinstituts für Verhaltenstherapie Freiburg; beratende Funktionen als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Bundesgesundheitsministeriums. Leiter des Teilprojekts G5 Muße in Krankheitszeiten – Freiraum und Neuorientierung angesichts von Verzicht und Verlust im SFB 1015 Muße (gemeinsam mit Prof. Dr. Gabriele Lucius-Hoene).

Böhm, Thomas, Prof. DDr.
Prof. DDr. Thomas Böhm ist seit 2004 Professor für Alte Kirchengeschichte und Patrologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 1995 Promotion mit einer Dissertation über Theoria – Unendlichkeit – Aufstieg. Philosophische Implikationen zu ,De vita Moysis‘ von Gregor von Nyssa; 2004 Habilitation mit einer Arbeit zum Thema: Basilius von Caesarea, Adversus Eunomium I-III. Einleitung, Übersetzung, Kommentar, Wirkungsgeschichte; Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen. Leiter des Teilprojekts G1 Muße – Ein ost-westlicher Kulturtransfer. Transformationen von Askese und Mönchtum im Nahen Osten (gemeinsam mit Dr. Thomas Jürgasch) im SFB 1015 Muße.

Bröckling, Ulrich, Prof. Dr.
Seit 2011 Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Forschungsschwerpunkte: Soziologie von Sozial- und Selbsttechnologien, Theorien der Subjektivierung, Historische Soziologie und Anthropologie; Bröckling ist Herausgeber und Autor zahlreicher Publikationen und Vorstandsmitglied im SFB 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen, Leiter des Teilprojekts D12 Soziologische Zeitdiagnosen zwischen Postheroismus und neuen Figuren des Außerordentlichen.

Cheauré, Elisabeth, Prof. Prof. h.c. Dr. Dr. h.c.
Seit 1990 Professorin für Slavische Philologie (Literaturwissenschaft) und seit 2003 zudem für Gender Studies an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 2015–09/2019 Sprecherin, ab 10/2019 Stellv. Sprecherin des Sonderforschungsbereichs 1015 Muße; Leiterin des Teilprojekts G3 Verordnete Arbeit, gelenkte Freizeit – und Muße? Marxismus und ,dosug' in der sowjetischen Kultur sowie des Transferprojekts Mußeum; seit 2014 Sprecherin des deutsch-russischen Internationalen Graduiertenkollegs 1956 Kulturtransfer und „kulturelle Identität“. Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext; zahlreiche Lehraufträge und Forschungsaufenthalte; Trägerin des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg für besondere Leistungen in der Gleichstellungspolitik, sowie Ehrenprofessuren der russischen Universitäten Tver’ und RGGU Moskau.

Dobler, Gregor, Prof. Dr.
Seit 2010 Professor am Institut für Ethnologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 2002 Ethnologische Promotion über den Wandel von Bedürfnissen und materieller Kultur auf der bretonischen Ile d’Ouessant, 1800–2000, anschließend Assistent am Ethnologischen Seminar der Universität Basel; 2018/2019 Aufenthalt am Institute for Advanced Studies in Princeton (USA); seit 10/2019 Sprecher des SFB 1015 Muße; Leiter des Teilprojekts P2 Gottesdienst als Mußeraum? Alltagsreligiosität und Gottesdiensterfahrung in Namibia sowie des Integrierten Graduiertenkollegs; Forschungsschwerpunkte: Wirtschaftsethnologie und politische Anthropologie, sowie Theorien und Methoden der Ethnologie.

Ehrensperger, Aurelia, Dr. des.
Aurelia Ehrensperger ist empirische Kulturwissenschaftlerin und untersuchte in ihrer Promotion (2018) AtemWege. Ein Rhizom des Atmens im Alltag. Kulturwissenschaftliche Erkundungen zu Luftverschmutzung, Atemnot und Achtsamkeit, wie „Atmen“ als körperliche Funktion in alltäglichen Narrativen und Praktiken in Erscheinung tritt. Sie forscht und doziert seit 2014 an der Universität Zürich, zunächst am Lehrstuhl von Prof. Thomas Hengartner (†), unter anderem zu Gesundheit, Achtsamkeit und ethnografischen Methoden.

Feitscher, Georg, Dr.
Dr. Georg Feitscher ist Postdoc im SFB 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Koordinator des Online-Lexikons Compendium heroicum; 2013–2016 wiss. Mitarbeiter/Doktorand im SFB 1015 Muße (Teilprojekt C2 Stillgestellte Zeit und Rückzugsräume des Erzählers. Muße und Autorschaft am Beispiel des autobiographischen Erzählmodells), die Dissertation ist 2018 unter dem Titel Kontemplation und Konfrontation. Die Topik autobiographischer Erzählungen der Gegenwart in der Schriftenreihe Otium. Studien zur Theorie und Kulturgeschichte der Muße erschienen.

Fendel, Johannes, M. Sc.
Johannes Fendel ist wiss. Mitarbeiter/Doktorand im SFB 1015 Muße, Teilprojekt P3 Muße im Krankenhaus? Eine achtsamkeitsbasierte Intervention bei AssistenzärztInnen; Studium der Psychologie an den Universität des Saarlandes und der Université du Québec à Montréal (Kanada); seit 2017 Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten am Freiburger Ausbildungsinstitut für Verhaltenstherapie (FAVT).

Fuchs, Thomas, Prof. Dr. Dr.
Psychiater und Philosoph, Karl-Jasper-Professur für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg; Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Phänomenologische Anthropologie, Psychiatrie und Psychotherapie (DGAP); Forschungsschwerpunkte: Phänomenologische Psychologie, Psychopathologie und Anthropologie, Theorien der Verkörperung und der Neurowissenschaften.

Gabriel, Sabine, M.A.
Studium der Ethnologie, Soziologie, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie der Qualitativen Bildungs- und Sozialforschung; seit 2014 Doktorandin an der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg zum Thema Die Bedeutung des Körpers. Eine biographische Studie zu Berufstanzenden; Gabriels Forschungsschwerpunkte liegen auf qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden, Leibphänomenologie, Körpersoziologie und sozialer Ungleichheits-, Bildungs- und Hochschulforschung.

Gimmel, Jochen, Dr.
Dr. Jochen Gimmel ist seit 2013 wiss. Mitarbeiter/Postdoc im SFB 1015 Muße der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2013–2016 im Teilprojekt A3 Die gesellschaftliche und ethische Relevanz des Begriffs der Muße, aktuell im Teilprojekt G3 Verordnete Arbeit, gelenkte Freizeit – und Muße? Marxismus und ,dosug‘ in der sowjetischen Kultur; 2015 Promotion mit einer Arbeit über Konstellationen negativ-utopischen Denkens. Ein Beitrag zu Adornos aporetischem Verfahren.

Glattacker, Manuela, Dr.
Studium der Psychologie in Freiburg; 2006 Promotion zum Thema Subjektive Krankheitskonzepte von Patienten in der stationären Rehabilitation; seit 2007 Forschungsbereichsleiterin für den Forschungsbereich Versorgungsforschung mit Schwerpunkt Psychologie der Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung (SE- VERA) am Uniklinikum Freiburg.

Gölz, Olmo, Dr.
Olmo Gölz ist seit 2016 wiss. Mitarbeiter/Postdoc im SFB 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Teilprojekt D14 Heroisierungsstrategien in Konflikten des Nahen Ostens seit den 1970er Jahren; von 2012 bis 2016 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Islam- und Iranistik in Freiburg und als Dozent für Nahoststudien an der Universität Basel (CH) tätig. 2016 Promotion mit einer Arbeit über Gewaltakteure in Iran: Rackets, Racketeers und der Kampf um das Gewaltmonopol in Teheran 1941–1963; Habilitationsprojekt zur Dynamik des Helden im Iran-Irak-Krieg.

Hagenberg, Julia
Seit 2009 Leiterin der Abteilung Bildung, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Studium der Klass. Philologie, Geschichte und Kunstgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Freien Universität Berlin. 1997 Assistenz im Bereich Corporate Communications, Salomon Guggenheim Museum, New York. 1997 – 2002 Assistentin der Künstlerin Katharina Grosse, Düsseldorf. 2002 – 2003 Wiss. Mitarbeiterin, Kunstmuseum Bonn. 2004 – 2009 Leiterin der Kunstvermittlung, Kunstmuseum Stuttgart. Lehraufträge an der PH Ludwigsburg, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Hochschule Düsseldorf. Arbeitsschwerpunkte im Bereich partizipativer Projekte und an der Schnittstelle zwischen Kunstvermittlung und kuratorischer Praxis.

Hietzge, Maud, Dr.Akademische Oberrätin am Institut für Alltagskultur, Bewegung und Gesundheit der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Arbeitsschwerpunkte: Sportpädagogik, Pädagogik der Frühen Kindheit, Körperpädagogik.

Henn, Andreas, Dr.
Andreas Henn ist promovierter Mathematiker und studiert seit 2015 Theologie und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Hilfskraft im SFB 1015 Muße im Teilprojekt G1 Muße – Ein ost-westlicher Kulturtransfer. Transformationen von Askese und Mönchtum im Nahen Osten.

Hesse, Fiona, M.A.
Freiberufliche Kunsthistorikerin, Kuratorin und Journalistin; Studium der Kunstge- schichte, Germanistik und Psychologie; 2018 Promotion bei Prof. Dr. Angeli Jahnsen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zum Thema Zeit und Gehen. Über die Verbildlichung zeitlicher Strukturen in der Kunst von Hamish Fulton.

Kirchner, Andreas, Dr.
Dr. Andreas Kirchner war von 2013 bis 2016 im SFB 1015 Muße Doktorand (Teilprojekt A2 Muße als Lebensform in der Spätantike: Theoría und monastische Tradition), seit 2017 ist er Postdoc im Teilprojekt G1 Muße – Ein ost-westlicher Kulturtransfer. Transformationen von Askese und Mönchtum im Nahen Osten. 2018 erschien seine Dissertation mit dem Titel Dem Göttlichen ganz nah – „Muße“ und Theoria in der spätantiken Philosophie und Theologie

Krauß, Jutta
Promovierte 2019 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau zu "Voguing on Stage! Diskursanalysen zu kulturellen Übersetzungen, vestimentären Performances und Gender-Inszenierungen" bei Frau Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier (Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau) und Frau Prof. Dr. Christina Thurner (Universität Bern). Seit Oktober 2019 hat sie eine Postdocstelle am Institut für Alltagskultur, Bewegung und Gesundheit an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau.

Lösel, Regina, Dr.
Textilwissenschaftlerin mit Lehrtätigkeit zur Kulturgeschichte des Textilen an der Universität Paderborn; 2014 Promotion an der Carl-Ossietzky-Universität Oldenburg zu weiblicher Straßenkleidung im Fokus von Mobilität und Geschwindigkeit; seit 2015 Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt im Forschungsprojekt Kleidung in Bewegung versetzen. Eine objektbasierte Untersuchung von Kleidung zur textilen Rekonstruktion von Bewegung.

Mangelsdorf, Marion, Dr.
Promovierte Kultursoziologin und seit 1998 Geschäftsführerin des Zentrums für Anthropologie und Gender Studies (ZAG) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; seit 2017 widmet sie sich als wiss. Mitarbeiterin im SFB 1015 Muße der Begleitforschung zu Transdisziplinarität und Verkörperung; seit 2017 Leiterin des BMBF-Verbundprojekts Gendering MINT digital – Open Science aktiv gestalten.

Metzner, Gloria, M.Sc.
2014 – 2018 Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Psychologie, Abt. für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., Projekt: Krankheitserfahrungen.de (DIPEx Germany); Studium der Psychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., 2017 Abschluss: M.Sc. Psychologie: Klinische Psychologie, Neuro- und Rehabilitationswissenschaften; seit 2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung (SEVERA) am Universitätsklinikum Freiburg.

Müller, Lisa, M. Sc. Lisa Müller ist seit 2017 Doktorandin im SFB 1015 Muße, Teilprojekt G5 Muße in Krank- heitszeiten – Freiraum und Neuorientierung angesichts von Verzicht und Verlust; Dissertationsprojekt zu Muße- und Nicht-Mußeräumen und den dabei auftretenden Ambivalenzen und Kontroversen im Kontext von belastenden Erkrankungen. 2015 Master in Klinischer Psychologie, Neuro- und Rehabilitationswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Munz, Melina, M.A.
Melina Munz ist Doktorandin im Teilprojekt G4 Muße im indischen Gegenwartsroman im SFB 1015 Muße; Dissertationsprojekt mit einem Fokus auf Aspekten der Muße in englischsprachigen indischen Romanen seit etwa 1990; Munz studierte Englisch, Germanistik und Geschichtswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Plewa, Moritz, M.A.
Moritz Plewa ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vergleichende Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Seine Forschungsschwerpunkte sind Soziologische Theorie, insbesondere Praxistheorie sowie Körper- und Bewegungssoziologie. Derzeit arbeitet er an einer Dissertation zum Wandel von Bewegungskulturen in der Spätmoderne. 

Scheer, Monique, Prof. Dr.
Seit 2014 Professorin für Empirische Kulturwissenschaft am Ludwig-Uhland-Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen; 2008–2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, Forschungsbereich Geschichte der Gefühle; 2011–2014 Juniorprofessorin am Ludwig-Uhland-Institut; seit Oktober 2016 Prorektorin für Internationales; Neueste Pulikationen: The Public Work of Christmas: Difference and Belonging in Multicultural Societies (hrsg. mit P. E. Klassen, 2019) sowie Secular Bodies, Affects and Emotions – European Configurations (hrsg. mit N. Fadil & B. Schepelern Johansen, 2019); aktuell arbeitet sie an einer Monographie zur Geschichte des Enthusiasmus in Deutschland.

Scheschonk, Wilma, M.A.
Studium der Kultur- und Medienwissenschaften und der Kunstgeschichte in Oldenburg, Santiago de Chile und Hamburg; Dissertationsprojekt Kraft – Ausdauer – Beweglichkeit. Künstler-Fitness seit der Frühen Neuzeit, welches seit 2016 durch das Hamburg-Stipendium des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München, den SFB 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen in Freiburg und die DFG Kolleg-Forschungsgruppe Imaginarien der Kraft gefördert wird/wurde.

Schmidt, Stefan, Prof. Dr.
Prof. Dr. Stefan Schmidt ist Inhaber der Stiftungsprofessur für Systematische Familientherapie an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Uni- versitätsklinikum Freiburg; seit 2013 Mitglied und Teilprojektleiter im SFB 1015 Muße (aktuelles Teilprojekt, gemeinsam mit Prof. Dr. Anja Göritz: P3 Muße im Krankenhaus? Eine achtsamkeitsbasierte Intervention bei AssistenzärztInnen); seine Arbeitsgebiete sind Klinische Psychologie, Neurophysiologie, Integrative Medizin und Systemische Interventionen.

Tauschek, Markus, Prof. Dr.
seit 2015 Professor für Europäische Ethnologie am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Freiburg; 2009 Promotion mit einer Arbeit zur Kulturpolitik der UNESCO; 2009–2015 Juniorprofessor am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Universität Kiel; aktuell Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik, Sprecher des DFG-Netzwerkes Wettbewerb und Konkurrenz, Teilprojektleiter im SFB 1015 Muße (G6 Muße lernen? Freie Zeit, Kreativität und Ent- schleunigung im Kontext von Leistungssteigerung und Selbstoptimierung) und Ko-Sprecher des Forschungskollegs Neues Reisen – Neue Medien. Zirkulationen zeitgenössischer Reiseerfahrung zwischen Praxis und Repräsentation (VolkswagenStiftung).

van den Berg, Yannick, M.A.
Studium der Ethnologie, Geographie und Soziologie; seit 2017 wiss. Mitarbeiter/Doktorand im SFB 1015 Muße (Teilprojekt P2 Gottesdienst als Mußeraum? Alltagsreligiosität und Gottesdiensterfahrung in Namibia); Dissertationsprojekt zum Thema Muße, Spiritualität und Alltag im Norden Namibias.

Wilke, Inga, M.A.
Studium der Medien- und Kulturwissenschaft in Düsseldorf sowie der Empirischen Kulturwissenschaft und Europäischen Ethnologie in Tübingen und Wien; seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt G6 Muße lernen? Freie Zeit, Kreativität und Entschleunigung im Kontext von Leistungssteigerung und Selbstoptimierung im SFB 1015 Muße; in ihrem Dissertationsprojekt erforscht sie anhand unterschiedlicher Kursangebote eines ausdifferenzierten Entspannungs- und Achtsamkeitsmarkts, wie Muße diskursiv gedeutet, performativ erfahren und materiell hergestellt wird.

Wittmann, Marc, Dr.
Dr. Marc Wittmann ist Diplom-Psychologe und Humanbiologe am Department für Empirische und Analytische Psychophysik des Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg; Wittmann ist Autor und Co-Autor zahlreicher Publikationen in Fachzeitschriften; Interessen im Bereich des Ich- und Zeitgefühls und des Körpers.

Zimmermann, Dominique, Lic. Phil.
Philosophin und Sexualpädagogin (ISP); Gründerin und Leiterin des Philosophischen Salons Textbistro in Basel (CH); arbeitete in verschiedenen Redaktionen und Or- ganisationen zu ihren Themenschwerpunkten: Beziehungen, Polyamorie, Liebe, Sexualitäten, Geschlechter.



Foto: © Claudia Bettinaglio


Schließen
Zum Anfang

Schluss



Die Tagung wird begleitet durch zwei installative Arbeiten:


2minSelf
– eine Videoinstallation

Die Installation nimmt das Selbst in den Blick nimmt. Über die Resonanz zum Anderen stellt sie Konstruktion und (Re-)Produktion des Selbst in Frage. Die Arbeit interessiert sich für Nähe und Distanz und hält nach einer tiefen Menschlichkeit Ausschau. Einer Menschlichkeit, die sich in Diversität begründet. Der Blick in das Dazwischen spült das eigene Fremde in Resonanz mit dem Anderen an die Oberfläche. So wird die Poesie einer Verbindung eröffnet, die das Außen zum Innen und das Innen zum Außen macht. 2minSelf schafft Raum und Zeit für eine Begegnung mit sich selbst und Anderen.
Die Installation 2minSelf entstand auf einer Reise von Simon Schwab durch mehrere europäische Länder. In einem Van wurde ein Studio integriert, welches die Videoaufnahmen von Portraits möglich machte. Portraits von Menschen, die er zufällig getroffen und eingeladen hat, Teil der Arbeit zu werden.
Zum Anfang
Natur der Muße – eine Webdokumentation

Es sind vor allem Momente sinnlicher Erfahrung, die wir in der Natur suchen. Es sind Momente, die inmitten von Flora und Fauna aufblitzen, – Momente, die von einer Sinnlichkeit der Muße zeugen? Oder machen Erfahrungen in der Natur, die als mußevoll beschrieben werden, vor allem auf eines aufmerksam: dass sie nicht mehr zu finden ist, wo sie einst Raum und Zeit zur Entfaltung versprach?
Die Natur scheint auf unbeabsichtigte Weise einen Bildungsauftrag zu übernehmen und den Menschen zum emanzipatorischen Innehalten zu verhelfen, zu einer reflexiven Einkehr, die in den dafür vorgesehenen Institutionen und Orten – wie in Universitäten, Bibliotheken, im Theater, in Museen, sakralen Gebäuden, städtischen Parks oder auf Flaniermeilen – zunehmend vermisst wird oder von vielen Menschen mit diesen Orten gar nicht verbunden wird, da sie sich von ihnen nicht angesprochen fühlen.

Die Webdokumentation entstand in Kooperation zwischen dem SFB Muße und dem BMBF-Verbundprojekt Gendering MINT digital.


Video: © Gendering MINT digital

Zum Anfang
Zum Anfang
Zum Anfang

Presse

0:00
/
0:00
Audio jetzt starten











Foto: © Sven Helbig

Audio öffnen

Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden